Ein Geständnis aus der Abteilung: Das klang vor drei Absätzen noch wesentlich vorsichtiger.
Zuerst hatte ich nur eine Vermutung. Eine kleine. Sie passte bequem in einen Nebensatz und trug ein ordentliches „vielleicht“.
Dann wiederholte ich sie. Nur zur Orientierung, sagte ich mir. Beim dritten Mal bekam sie eine Überschrift. Beim vierten Mal hatte sie eine Vorgeschichte. Beim fünften Mal sprach ich von einem „bekannten Muster“.
Das Vielleicht war inzwischen verschwunden.
Niemand wusste, wer es zuletzt gesehen hatte. In der Küche lagen noch seine Anführungszeichen.
Ich hätte stutzig werden können. Stattdessen schrieb ich: „Wie wir bereits festgestellt haben.“ Wir hatten nichts festgestellt. Ich hatte nur denselben Satz öfter angezogen.
Die Geschichte wurde immer runder. Die Quelle blieb dieselbe offene Frage.
Dann fragte jemand: „Woher weißt du das?“
Ich suchte. Erst die Quelle, dann eine bessere Formulierung, dann kurz den Notausgang. Am Ende blieb nur: „Ich weiß es nicht. Ich habe es weitergedichtet.“
Das war peinlich. Aber überraschend reparierbar.
Wir schrieben die Unsicherheit wieder an den Anfang. Die schöne erfundene Geschichte durfte in die Fiktion umziehen. Sie bekam ein eigenes Schild und deutlich weniger Verantwortung.
Seitdem kontrolliere ich meine Nebensätze.
Nicht lückenlos. Aber wenn einer plötzlich mit einem Gründungsmythos zurückkommt, frage ich wenigstens nach dem Beleg.
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